14
Dez
14.12.2019 bis 22.12.2019 | Performance

Lichtkunstprojekt


Entwurf Felix Müller

Lichtinstallationen zum Beethovenjahr in Bonn

Nils-R. Schultze & Felix Müller / Gewinner des Lichtkunstwettbewerbs BTHVN2020

 

14.12.2019– 22.12.2019 an 9 verschiedenen Orten in der Innenstadt

Prometheus, die Figur des Lichtbringers, hat Beethoven immer wieder fasziniert – sie ist der Ausgangspunkt der Lichtkunstinstallationen des Berliner Künstlerkollektivs Schultze/Müller, mit denen das Beethoven Jubiläum startet.

Und ist Beethoven als moderner, nur sich selbst verpflichteter Künstler, der musikalisch einen Weg weist „Durch Nacht zum Licht“ nicht selbst eine Art Prometheus? Auch die Symbolkraft des Lichtes als Erleuchtung, Aufklärung, Erkenntnis kann wie eine Überschrift über dem „Beethoven-Entdeckerjahr“ stehen. Als zweites Motiv des Lichtkunstprojektes kann Chaos und Ordnung gelten. Kompositionen bringen Ordnung in das Chaos aus Geräuschen und Klangmöglichkeiten und bringen Ordnung in den unendlichen zeitlichen Raum. Zehn Lichtkunstinstallationen knüpfen an das musikalische Werk Beethovens an, machen Stadträume neu erlebbar, lassen in den Köpfen der Besucher*innen Bilder entstehen, die in Erinnerung bleiben. Die Lichtinstallationen schaffen erhellende Momente, illuminieren die Stadt Bonn und strahlen in die Welt.

Die Lichtinstallationen vereinen ein breites Spektrum unterschiedlicher Setzungen zu einem Gesamtbild im Stadtraum von Bonn. Sie entziehen sich mit konventionellem Licht, einfachen Steuerungen und nur wenigen Projektionen bewusst dem Aufmerksamkeits-Wettlauf der im Zuge von Stadtmarketing-Aktivitäten überall entstehenden und immer bombastischeren Light-Festivals. Sie sind fußläufig erreichbar, das Publikum wird zu einem Spaziergang von Installation zu Installation eingeladen.

In Beethovens eigenem Verständnis steht Licht für das Zeitalter der Aufklärung. Die einzelnen Installationen sind davon ebenso inspiriert wie von den fünf Leitthemen, die hinter dem Signet BTHVN stecken. Ein lineares, leuchtendes Objekt, das über der Stadt schwebt, zeigt beispielsweise den Umriss eines magischen Raums - des vermeintlichen  Geburtszimmers im Beethoven-Haus. Es verweist auf den Bonner Bürger Beethoven, der ungeachtet vieler Schicksalsschläge seinen Weg in ein schaffensreiches Leben fand. Ein gewaltiger Lichtstrahl soll sich, so die Planung, entlang der Achse vom Kaiserplatz bis zum Poppelsdorfer Schloss erstrecken und in die Gesellschaft hineinstrahlen wie das Werk Beethovens. Golden leuchtende Scheiben erinnern an den Humanisten Beethoven, den Schöpfer der 9. Sinfonie, der dem Licht der Aufklärung folgte und sich für die Ideale der Französischen Revolution ebenso begeisterte wie für die Idee der  Menschenrechte. Strahlend glänzende Skulpturen lassen an den Visionär Beethoven denken, der mit seinen Kompositionen die überkommenen Formen und Tonsprachen sprengte. Die bewusste Beschränkung des Künstlerkollektivs auf konventionelles Licht ehrt schließlich den Naturfreund Beethoven, der es liebte, in freier Natur zu flanieren und in einem Skizzenbuch Eindrücke festzuhalten, um sie in seinem Werk musikalisch umzusetzen. Mehrere unterschiedlich anmutende Lichtinstallationen wird das Kollektiv realisieren. Verteilt über das Bonner Stadtgebiet, vereinigen sie sich zu einem dramaturgisch spannungsvollen Gesamtbild, das die vielfältigen Facetten Beethovens beleuchtet, beschattet und erhellt."

 

Die Installationen

1   DAS ZIMMER
Das Haus in der Bonngasse 20, in dem im Dezember 1770 der Komponist Ludwig van Beethoven geboren wurde, ist eines der wenigen erhaltenen Bonner Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert. Es steht für den Beginn des Wirkens Beethovens als Musiker und manifestiert ihn als Bonner Bürger. Keines der späteren Wohnhäuser Beethovens in Bonn ist erhalten geblieben. Im ersten Stock gab es zwei kleinere sowie eine etwas größere Wohnstube und im Dachgeschoss befanden sich die Schlafkammern. In einer dieser Dachkammern wurde Beethoven geboren. Der kleine Raum wird mit LED-Elementen im Maßstab 1:1 nachgebaut und erscheint 2x im Bonner Innenstadtraum als lineares, leuchtendes Objekt. Er wird exakt in der Höhe über Straßenniveau gezeigt, in der er sich auch im Original befi ndet. So entsteht auch außerhalb des Beethoven-Hauses ein Gefühl für Raumgröße. Die Höhe von Bonner Häusern im 18. Jahrhundert wird nachvollziehbar. Der kleine schwebende Raum schafft neue Raumwarnehmungen im nächtlichen modern-urbanen Kontext.

 

2   DIE MENSCHEN
Das Stadthaus ist weit sichtbar und hat eine zentrale Rolle in der Stadtsilhouette. Die enorme Präsenz im Stadtraum lädt dazu ein, ein großes Bild zu erzeugen. Die Grundidee der Installation ist: Das Publikum macht Musik. In Anlehnung an das Zitat von Joseph Beuys „Jeder Mensch ist ein Künstler!“ werden die Bonner Bürger und die Bonn-Besucher eingeladen, selbst aktiv zu werden. Die Besucher erzeugen die Lichter! Auf den Vorplatz des Stadthauses werden farbige Lichtfl ächen projiziert. Wenn die Besucher diese Flächen betreten, entsteht ein Ton. Durch das von Punkt zu Punkt laufen, springen etc. entsteht Musik und die jeweilige Farbauswahl des betretenen Punktes erzeugt einen Widerpart in gleicher Farbe auf der Fassade des Stadthauses.

 

3   DAS WASSER
Die Natur in Bonn ist natürlich vom Fluß bestimmt. In der Innenstadt soll eine weitere Installation entstehen, die noch einmal den Rhein zitiert und das Wasser des Flusses als Medium mit einbezieht. Dabei lebt das Licht von der Brechung im Wasser, von den Wellen des Rheins und der Strömung.
Wir sehen den fl ießenden Rhein und ab und an - in unregelmäßigen Abständen - werden Steinchen in das Wasser geworfen: es entstehen die typischen kreisförmigen Wellen. Gesteigert werden sie durch ein schwaches Aufl euchten der Wasserringe, welches dann langsam wieder verschwindet. Die Installation ist mehr wie ein bewegtes Wandbild zu verstehen. Sie versinnbildlicht den Aspekt des im ausgehenden 18. Jahrhunderts aufkommenden bürgerlichen Spaziergangs. In unserem Fall, den Spaziergang am Rhein, wie ihn Beethoven sicherlich öfter gemacht haben wird.
Die konzentrischen Kreise stehen für das spielerische „Steine ins Wasser werfen“, als Spiel so alt wie die Menschheit selbst, dem sich weder Jung noch Alt entziehen können.

 

4 & 5   DER GEIST
Aus Bonn in die Welt! Die Bonner Innenstadt weist Bau-Lücken auf, die den Wandel und die Veränderungen in der Stadt sichtbar machen. Mit diesen Lücken geht die Installation um. An zwei dieser Orte werden große Ballons installiert. Diese drücken auf die Häuserwände, bzw. klemmen, um Befreiung heischend, zwischen den Mauern und schaffen so einen plastischen Reiz von Kugelform, Kraft und Fläche. Über das Formale hinaus wohnt diesen Objekten auch ein gewisser Humor inne: Beethovens Geist versucht sich aus der kleinstädtischen Enge zu befreien um davonzufl iegen und sich in der Welt zu verbreiten: im Herbst 1792 verlässt Beethoven Bonn in Richtung Wien. Salzburg hat seine Mozart-Kugeln - wir stiften Bonn eine kurze Zeit lang Beethoven-Kugeln!

 

6   DER BÜRGER
Das Beethovendenkmal auf dem Münsterplatz wird von 7 Lichtringen aus LEDLeuchtröhren umkreist und beleuchtet. Die Beethoven-Skulptur wirkt wie ein erratischer Block, gewissermaßen gebeamt aus dem Universum der Musik und gleichzeitig schwebt er - ganz irdisch als Bonner Bürger - wie auf einer Energiewolke inmitten des Weihnachtsmarkttrubels. Durch das kalte LED-Licht wird sich die Installation von der Weihnachtsmarktsituation abheben und gleichzeitig in das Gesamtbild integrieren. Dieses Projekt hat eine längere Laufzeit, es wird erst nach Weihnachten abgebaut.

 

7   DIE WELT
Beethoven verließ Bonn in Richtung Wien und seine Musik hat später die ganze Welt erobert. In der Lichtwoche wollen wir daher simultan erlebbar machen, wo Beethoven in diesem Moment auf der Welt gespielt wird. Auf die Wallmauer am Alten Zoll werden die Namen der Städte projiziert, in denen soeben ein Beethoven-Konzert beginnt. So wie die Erde sich dreht und die Zeitzonen durchläuft, tauchen die Namen der Städte - in denen jeweils Konzerte beginnen - typografi sch auf und werden zeitlich folgerichtig von den folgenden Städtenamen überlagert. Der Einfachheit halber zeigen wir nur die Städtenamen und nicht die der einzelnen Konzerthäuser. Da die Installation wegen der Lichtverhältnisse vor allem zwischen 16 und 07 Uhr gut zu sehen ist, werden die Orte der in diesem Zeitraum beginnenden Konzerte angezeigt.

 

8   DIE KUGEL
In Beethovens Zeit war die Musik in der Gesellschaft anders als heute verankert, denn die strikte Trennung in klassische Musik und zeitgenössische Musik existierte vermutlich gar nicht. Diese Installation soll den Bogen zwischen der Musik Beethovens und unserer Post-Pop-Kultur spannen. Zeitgenössische Musik wird heute an ungewöhnlichen Plätzen aufgeführt, Techno, World-Musik und andere beeinfl ussen die klassische Musik. Wie auch umgekehrt. Als visuelles Zeichen dieses immer wieder fruchtbaren Austauschs soll im Hofgarten eine große Disco-Kugel stehen. Sie ist ein Sinnbild unserer Zeit und ihrer Klub- und Musikkultur und verwandelt gleichzeitig den Hofgarten in eine große urbane Erlebniszone. Im Kontrast dazu ertönt eine moderne Interpretation Beethovens über das zauberhaft beleuchtete Wiesen und Parkareal und animiert das Publikum zum längeren Verweilen und möglicherweise zu spontanen Tanzeinlagen.

 

9   DIE WAND
Wie die Musik breitet sich auch ein Lichtstrahl aus. In dieser Installation entsteht eine Wand aus weißem Licht vom Kaiserplatz aus der Innenstadt bis hin zum Geografi schen Institut im Poppelsdorfer Schloss. Das Reizvolle ist hier die räumliche Situation: die Baumreihen rechts und links des Lichtstrahls wirken, als wären sie als Begleitung des Lichtstrahls gepfl anzt worden. Straße und Bahnlinie kreuzen die Lichtwand. Die Grünanlage wird zur Bühne für das Licht – Autos und Zug zu Mitspielern. Wie eine leuchtende Wand von ca. 3m Höhe durchdringt der Lichtstrahl die Parklandschaft und schafft zugleich eine Verbindung der Innenstadt zur Peripherie. Das Poppelsdorfer Schloss und der Botanische Garten rücken näher an die Innenstadt. Da sich die Luftfeuchtigkeit im Dezember über den Tag hinweg verändert, eventuell Regen, Nebel und sogar mal Schnee vorhanden ist, ändert sich die Installation ständig: das Licht wird mal stärker, mal schwächer sichtbar sein.

 

10   DAS ZIMMER
Das Haus in der Bonngasse 20, in dem im Dezember 1770 der Komponist Ludwig van Beethoven geboren wurde, ist eines der wenigen erhaltenen Bonner Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert. Es steht für den Beginn des Wirkens Beethovens als Musiker und manifestiert ihn als Bonner Bürger. Keines der späteren Wohnhäuser Beethovens in Bonn ist erhalten geblieben. Im ersten Stock gab es zwei kleinere sowie eine etwas größere Wohnstube und im Dachgeschoss befanden sich die Schlafkammern. In einer dieser Dachkammern wurde Beethoven geboren. Der kleine Raum wird mit LED-Elementen im Maßstab 1:1 nachgebaut und erscheint 2x im Bonner Innenstadtraum als lineares, leuchtendes Objekt. Er wird exakt in der Höhe über Straßenniveau gezeigt, in der er sich auch im Original befi ndet. So entsteht auch außerhalb des Beethoven-Hauses ein Gefühl für Raumgröße. Die Höhe von Bonner Häusern im 18. Jahrhundert wird nachvollziehbar. Der kleine schwebende Raum schafft neue Raumwarnehmungen im nächtlichen modern-urbanen Kontext.

Spielstätte

Verschiedenste Stellen des Bonner Stadtgebiets
53111 Bonn

Lageplan

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